muckich.

Urlaub in Ostfriesland

von Mama
am 10.08.2015 11:52

... und schon ist der Urlaub wieder vorbei. Dass das immer so schnell gehen muss! 

Wir waren dieses Jahr in Ostfriesland, obwohl wir den "Otto-Leuchtturm" in Pilsum gar nicht gesehen haben. Jedenfalls nicht in echt. Als Souvenir ist er in fast jedem Laden zu finden, ob als Türschild, Schlüsselanhänger oder Teedose. ;-) Was wir aber gesehen haben, davon möchte ich euch in diesem Beitrag berichten. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, mal an die Nordsee zu fahren und müsst tagelang schlechtes Wetter abfedern, so wie es uns ergangen ist.


Jajaaaaa ... "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung." Wie oft hört man diesen Satz und wie oft habe ich den auch selbst schon gesagt. Aber mal ehrlich - bei Unwetter- bzw. Sturmwarnung geht niemand mehr entspannt an den Strand, oder? Das Wetter war also während unseres Urlaubs sehr durchwachsen, wir hatten einen einzigen wirklich tollen Strandtag dabei. Zum Glück war an diesem Tag wenigstens das Wasser da! (Da kann man sich an einem Gewässer mit Ebbe und Flut ja auch nicht immer drauf verlassen).

Wir kennen nun also direkt mehrere Indoor-Spielplätze in der Gegend. Einmal das "Sturmfrei" in Neßmersiel - hier konnten die Kinder sich austoben, es gibt ein großes, für Indoorspielplätze typisches Klettergerüst, drei Trampoline, eine Kletterwand (an dem Tag, als wir dort waren, leider geschlossen), ansonsten Fußball-Billard, was Papa und Sohn gemeistert haben, ein großes Indoor-Fußballfeld, Kegeln, Tischtennisplatten und oben noch Räume, in denen man X-Box, Wii oder Singstar spielen konnte (das haben wir sehr zum Leidwesen unseres Sohnes aber ausgelassen). Kein Restaurant, nur Getränke und Sandwiches aus dem Automaten, dafür durfte man Essen selbst mitbringen (wenn man das gewusst hätte). Für die Eltern: Freies WLAN und Massagesitze! Hier waren wir sogar zweimal. Der Eintritt ist mit der Kurkarte, die jetzt "Nordsee-Service-Card" heißt, frei.

Nächster getesteter Indoor-Spielplatz: Der "Klabautermann" in Esens. Etwas größer, was auch am höheren Eintrittsgeld zu erkennen war. Ein größeres Klettergerüst, mehr Trampoline, eine Hüpfburg, Indoor-Minifgolf, ein Tigerenten-Rodeo und wieder eine Kletterwand, die auch geöffnet war. Hier hatten die Kinder viel Spaß! Vor allem die Kleine, die mitmachen durfte, obwohl das Klettern eigentlich erst ab 6 Jahre war, war ebenso geschickt wie stolz darauf! Was die Kinder natürlich die ganze Zeit wollten: Mit den Elektrofahrzeugen fahren. Das kostete aber extra und wir hatten ihnen angekündigt, dass sie erst ganz zum Schluss einmal fahren dürften. Essen darf man hier nicht selbst mitbringen, es gab also zum Mittag - mal wieder - Pommes und Chicken Nuggets. Naja. Für die Eltern wieder Massagesitze (ich hab direkt nochmal Geld nachgeworfen und meinen geplagten Rücken so direkt mal 20 Minuten am Stück durchkneten lassen), leider kein WLAN.

Warum ich das immer erwähne? Der Handyempfang in der ganzen Gegend war mit meinem Netz furchtbar schlecht bis nicht vorhanden. Mein Mann stellte sein Handy also als Hotspot zur Verfügung, so dass wir uns seine gedrosselte Flatrate geteilt haben. Jetzt höre ich schon viele mosern: "Was will die denn mit dem Internet? Soll sie halt Urlaub machen ...!" Jaaaaa, aber ... bei uns läuft halt viel über das Internet. Ich bin begeisterte Twitterin, außerdem schicken wir gerne auch mal ein Bild an Oma und Opa zu Hause. Mal schnell ein paar Öffnungszeiten nachschlagen, navigieren, Ausflugsziele auskundschaften, das alles geht so flott von der Hand, wenn man an die Benutzung eines Smartphones gewöhnt ist, dass es doch arg ungewohnt ist, wenn es wegfällt. 

Der Sohn liest gerne. Und das in einem Affentempo. So viele Bücher kann und will ich gar nicht mitschleppen. Wohlweislich hatte ich schon einige Bücher aufs Tablet geladen (mit der Kindle-Software). Nun wünschte er sich aber doch ein anderes und hatte auch mal wieder schneller gelesen, als geplant. Ein neues Herunterladen ist zu Hause ganz einfach möglich - im Urlaub also nicht. Beschäftigt werden möchten beide Kinder aber fast ununterbrochen. Die Möglichkeiten, sich selbst zu beschäftigen, sind in einer kleinen Ferienwohnung natürlich geringer als zu Hause. Zum Glück hatte ich einen Rätselblock mitgenommen, so dass wir gemeinsam viel geknobelt haben. Schiffe versenken, Käsekästchen oder Autorennen auf dem Papier spielen hat ihnen auch Spaß gemacht. "Papa, guck mal. Hier an der Ecke warte ich auf dich. Dann können wir Picknick machen." 

Natürlich sind wir auch durch das Watt spaziert. Der Tochter war das zunächst sehr unheimlich, obwohl sie sonst keine Probleme damit hat, im größten Matsch zu spielen. Dann sah sie auch noch einen winzig kleinen Krebs, von da an hatte sie Angst, es könne sie einer in den Zeh zwicken. Sie hat sich aber schnell daran gewöhnt. Hosenbeine wurden hochgekrempelt, mit Wasser gespritzt, Muscheln gesammelt, hinter den Strandkörben Verstecken gespielt. Nur für ein Bad im Nordsee-Wasser war es zunächst zu kalt und ungemütlich, bei unserem ersten Besuch war es vor allem gar nicht da. ;-) Wir hatten aber auch Schaufeln mit und haben den schon vorhandenen Wassergraben, der praktischerweise schon vor unserem Strandkorb angelegt war, weiter ausgebaut. Einen Spielplatz gab es auch am Strand, so dass wir doch einige Male in den Genuss frischer Nordseeluft kamen! <3

An unserem ersten Wochenende fand auch noch das Hafenfest statt. Okay, ein paar Fressbuden, ein Schießstand, ein Kinderkarussel und ein großes. Für Kinder reicht das aber schon an Spaß, sie durften Karussel fahren (sogar das große, hoch oben) und mit Pfeilen auf Luftballons werfen. Sie waren unglaublich stolz, dass sie sogar ein paar Mal getroffen haben und einen Gewinn davontragen durften. Der Sohn eine Spielzeugpistole (örks) von der hoffentlich bald alle kleinen gelben Kügelchen verschütt gegangen sind und die Tochter ein Schminkset in pink (örks) mit dem sie uns anschließend rote Nasen und rosa Wangen geschminkt hat. Hauptsache, die Kinder sind glücklich. :-)

Wir fuhren zu einer begehbaren Windkraftanlage. Es gibt wohl nur zwei Windraftanlangen in Deutschland, die für Besucher zugänglich sind, daher wollten wir die Gelegenheit nutzen. Sehr schlaue Idee mit meiner Höhenangst! Ich habe sie aber bezwungen und es geschafft! Im Inneren geht es über eine Wendeltreppe aus Metall immer im Kreis herum nach oben. Je weiter man raufkommt, desto mehr wackelt und vibriert diese Treppe, man spürt schon den Wind. Oben angekommen befindet sich eine verglaste, also geschlossene Besuchsplattform. Man hat einen atemberaubenden Blick, ohne Frage. Ich blieb trotzdem die ganze Zeit in der Mitte und hielt mich am Pfeiler fest. Wir waren noch nicht lange oben, da rief die Tochter: "Mamaaa ... ich muss Pipi!" Uff! Ja, äh, dann müssen wir wohl wieder runter ... leider konnte ich mir dann die interessanten Erklärungen des Führers nicht mehr anhören, und durfte als erste wieder absteigen. War ich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! (aber bloß nicht die Kinder merken lassen ...) Und trotzdem war ich hinterher froh, dass ich mutig genug war und mich getraut habe. Wobei ich sicher bin, dass der ganze Schweiß, der mir heruntergelaufen ist, nicht von der Anstrengung des Aufstiegs kam ...

Eines Abends haben wir am Programm des örtlichen Tourismusvereins teilgenommen, nämlich bei der Fledermauswanderung! Die Kids haben sich natürlich besonders gefreut, dass sie so lange aufbleiben durften, die Wanderung fing nämlich erst um 21.30 Uhr an! Dick eingepackt ging es los, wir haben einiges über Fledermäuse gelernt, Fotos von Babyfledermäusen betrachtet (aaaaaaawwwwww ...!) und den Nachthimmel beobachtet. Zum Ende hin wurden Geräte verteilt, mit denen man auf der richtigen Frequenz die Fledermäuse hätte hören können. Ich schreibe hätte, denn wir haben an diesem Abend leider keine gesehen und auch nur ganz vielleicht ein paar Töne wahrgenommen. Aus diesem Grund wollte die Leiterin der Wanderung uns die Hälfte des Geldes zurückzahlen. Das wollte ich aber nicht - immerhin hat sie die Führung doch mit uns gemacht, uns ganz viel erklärt und erzählt, und dass die Mäuschen sich an diesem Abend nicht blicken ließen, ist eben eine Laune der Natur. Immerhin hatten wir eine wumderschöne Nachwanderung, die Kinder haben ganz toll mitgemacht, es sogar geschafft, die anderthalb Stunden leise zu sein und ganz ehrfürchtig nur im Flüsterton zu sprechen und wir konnten die Abendstimmung am Mahlbusen einfangen, von der sogar der Sohn bemerkte: "Das ist aber schön hier ...!"

Dann muss man natürlich auch einmal mit einem Boot gefahren sein (der Mann und ich haben einige Male sehnsüchtig zum Yachthafen herübergeschaut, mal wieder segeln wäre auch schön *hach*). Da gibt es eine Menge touristischer Angebote und wir haben eine zweistündige Bootsfahrt mit Besuch der Seehundbänke herausgesucht. Es war der Knaller! Der Kapitän und sein Steuermann waren einfach klasse, ich mag ja so knochentrockenen Humor! Es wurde unterwegs gefischt und die gefangenen Tiere in einer großen Schale an Bord gebracht, dann hat der Steuermann uns alle Tiere gezeigt und erklärt. Der Krebs zum Beispiel ist ihm schon bekannt, den hat er schon mehrmals getroffen. Er heißt Hinnerk und hat nur noch eine Schere. ;-) Wir durften Krabben, Schollenbabies und andere Fischlein anschauen, anfassen und lernten ganz viel darüber. Ich glaube ja, ein bisschen Seemannsgarn war auch dabei ... Danach durften die Kinder noch mit Papa im Führerhäuschen vorbeischauen, sich Steuerrad, Echolot und Radar erklären lassen. Das war so spannend, dass die drei doch glatt die Seehundbänke verpasst haben und ich die einzige war, die sie gesehen hat! So richtig konnte ich das ohne Kamera mit Objektiv, sondern nur mit Handykamera ausgestattet dann aber für sie auch nicht einfangen. Mussten sie mir halt glauben! 

Last but not least hatten wir dann am Ende doch noch zwei Tage Sonnenschein satt! \o/ Der eine Tag war noch etwas kühl, da besuchten wir das fast am Strand gelegene Meerwasserfreibad. Dort betrug die Wassertemperatur immerin 20°C statt 13°C, wie die Nordsee. Die Kinder hatten einen Heidenspaß im Wasser, waren aber erstmal äußerst irritiert, dass es bei Herumspritzen und Toben salzig schmeckte! Der Wind war doch noch etwas frisch, so dass wir nur zweimal im Wasser waren und den Rest der Zeit am auf dem Gelände gelegenen Spielplatz nutzten. Wieder Mal war ich begeistert, wie schnell unsere Tochter Anschluss findet und ruck zuck hatte sie sich mit ein paar Mädels zusammengeschlossen und war mit ihnen ins Spiel vertieft. Wahnsinn! 

Am nächsten Tag war dann endlich richtig Sommer! Wir waren zur Flut-Zeit am Strand, konnten im Wasser schwimmen, zum Mittagessen gab es Bratwurst (wow, hier rührt sogar der einfache Wurstverkäufer am Strand seine Currysauce selber an - lecker!), Löcher im Sand graben, Eis essen und ich habe mein Buch weiterlesen können. Es war toll. Von solchen Tagen hätte ich durchaus noch mehr gebrauchen können, aber was nützt das hadern - diesen einen haben wir sehr genossen! 

Und die Ferienwohnung? Die war ziemlich klein. Wir konnten aber durch einen Jobwechsel meinerseits zu Beginn des Jahres erst recht spät buchen und waren froh, dass wir überhaupt noch etwas gefunden haben. Nord- oder Ostsee sollte es sein, damit die bronchitisgeplagte Tochter und ich von dem Klima profitierten und hoffentlich so etwas besser über den Winter kommen. Abgesehen davon wollten wir eh keine Flugreise, um irgendwo in der Sonne zu braten, das ist einfach nicht so unser Ding. 

Nun ja, wir hatten ein Schlafzimmer mit Doppelbett, in dem die Kinder nächtigten und ein Schlafsofa im Wohnzimmer für für uns. Als Esstisch fungierte eine hohe Theke, an der jedoch leider nur drei Stühle standen. (Wir haben nicht nachgefragt. Wir Deppen. Bei der Schlüsselabgabe sagte der Verwalter, wir hätten nur was sagen müssen, der vierte Stuhl stünde bestimmt im Keller). So musste immer einer im Stehen essen oder wir konnten draußen sitzen. Dies jedoch trotz Überdachung nur bei trockenem Wetter und morgens war es den Kindern noch recht kalt. Aber immerhin konnte ich im kleinen Vorgarten schon mal den zweiten Kaffee genießen. Wir sind dann dazu übergegangen, das Essen vorzubereiten, so dass wir nicht alles auf den Tisch decken mussten. Improvisation ist ja bekanntlich alles ... das nächste Mal würde ich trotzdem lieber wieder eine Ferienwohnung mit mindestens zwei Schlafzimmern nehmen wollen! :-) 

Fazit: Die Kinder hatten Spaß und haben viel erlebt, die Eltern hatten Freude daran und sind nicht ganz so erholt. Leider habe ich mir noch ein Päckchen Rückenschmerzen mitgebracht, die trotz eigener Matratze zu Hause nicht so schnell wieder verschwinden, wie ich es gehofft hatte. Meine letzte Urlaubswoche wird also vermutlich mindestens einen Arztbesuch beinhalten. Aber erstmal genießen wir hier das gute Wetter! :-)

Unsere kulinarischen Erlebnisse habe ich übrigens hier beschrieben: Genusslieben.de