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Zeit für mich. Blogparade von Mama on the rocks.

von Mama
am 18.08.2015 14:45

"Zeit für mich". Haha." Darum geht es in der aktuellen Blogparade von Mama on the rocks

Zeit für sich selbst. Braucht man das überhaupt? Googelt das mal. Da finden sich 229.000.000 Ergebnisse. Scheint also tatsächlich ein wichtiges Thema zu sein. Wieso kommt es dann im Alltag wirklich so oft zu kurz? Warum habe ich ständig das Gefühl, zu wenig eigene Zeit zu haben?


Und ja, ich finde es wichtig, Zeit für sich zu haben. Haha. Sich auf sich selbst zu besinnen, zur Ruhe kommen, das Gedankenkarussel ausschalten zu können, das manchmal Nonstop seine Kreise zieht, bis tief in die Nacht hinein. Egoistisch finde ich das überhaupt nicht, sondern essentiell. Ganz ohne geht es nicht und führt meiner Meinung nach unweigerlich zum viel beschriebenen "Burn out" oder ähnlichen Erschöpfungszuständen bis hin zur Depression. 

Wie geht es mir? Zunächst einmal steht natürlich Vieles im Vordergrund. Ich habe zwei Kinder im Alter von vier und sechs Jahren. Eines geht schon in die Schule, eines noch in den Kindergarten. Ich arbeite zwar, habe aber "nur" eine Viertelstelle. 

Warum sage ich eigentlich immer "nur"?

Ich arbeite als Krankenschwester in einem Hospiz. Zwar mit geringerem Stellenanteil, aber wenn ich da bin, mit vollem Einsatz, Herzblut, im Schichtdienst und auch am Wochenende. Schon hier fängt es also an, dass zu der eigentlichen Arbeit die Organisation losgeht. Frühdienst: Wer kann die Kinder morgens fertig machen und wegbringen bzw. losschicken? Im besten Falle der Mann, aber wenn er selbst Termine bei der Arbeit hat, wird es schwierig. Entweder Dienst tauschen oder Großeltern fragen (was aber ein ziemlicher Aufwand ist, da ich um 6.00 Uhr anfange zu arbeiten). Wer holt das Schulkind ab und betreut es, bis ich Feierabend habe? Spätdienst: Wer kann die Kinder nachmittags betreuen, bis der Papa nach Hause kommt? Gleiches gilt für Dienstbesprechungen & Co.

Außerdem ist das zwar mein fester Job, der immer Priorität hat, aber ich gebe nebenbei auch noch Kochkurse, was mir einen Riesenspaß macht. Aber auch das benötigt ja neben der Anwesenheit am betreffenden Abend auch Zeit für die Vor-und Nachbereitung.

Darüber hinaus engagiere ich mich sowohl im Elternbeirat der Kita, als auch im übergeordneten Gremium auf Stadtebene und sitze damit derzeit im Jugendhilfeausschuss. Das muss man natürlich nicht. Das machen ja auch die Wenigsten. Ein Grund mehr für mich, ich war schon immer ehrenamtlich engagiert. Abgesehen davon, wie wichtig ich sowas finde, macht es mir tatsächlich auch noch Spaß! Trotzdem wird es manchmal stressig, z.B. wenn die Kitas streiken oder andere wichtige Dinge anstehen. Vorstandsitzungen, E-Mails beantworten, Flyer entwerfen, Internetauftritt pflegen, Termine vereinbaren und dann auch daran teilnehmen... Alles Dinge, die andere Working Mums auch machen, nur ohne Geld. ;-) Für all diese Termine muss ich ebenfalls organisieren, wer wann wie die Kinder abholen oder irgendwo hinbringen kann.

Wir haben ein ziemlich volles Freizeitprogramm. Sport, Musikschule, Tanzen, Reiten, Klavierunterricht. Natürlich zu lauter unterschiedlichen Zeiten für die Beiden, so dass ich bei einem Termin fast immer das zweite Kind auch im Schlepptau habe. Auch das muss man natürlich nicht. Jetzt muss ich vielleicht etwas weiter ausholen: Die Kinder sind beide hochbegabt. Die Kleine ist zusätzlich einfach ein irres Temperamentbündel. Während der Große auch sehr gerne liest oder sich anderweitig selbst beschäftigen kann, fällt ihr das noch recht schwer. Sie braucht einfach Action. Setzt man sich mit ihr hin, um ganz intensiv mit ihr etwas z.B. zu basteln, ist sie mit vollem Eifer dabei. Sie macht es aber (noch) nicht allein. Sie hat Energie für mindestens drei weitere Kinder. Kriegt man das nicht irgendwie kanalisiert, wird es zu Hause laut, stressig, es gibt Streit, sowohl zwischen den Geschwistern untereinander oder mit mir. Hell yeah, ich fahre manchmal auch aus der Haut, wenn ich nach Stunden, in denen Kinder auf mich einreden, ich nicht einmal allein auf die Toilette gehen oder mal ein Telefonat führen kann (Ihr kennt das, oder? Kaum erscheint ein Telefonat wichtig zu sein, kriegen die Kinder Zoff und schlagen sich die Köpfe ein) auch noch ein Riesentheater wegen eines falsch ausgewählten Wasserglases geboten bekomme. 

Was bin ich manchmal froh, wenn die Kinder abends im Bett sind! (An dieser Stelle müsste ich jetzt sicher schreiben "Nicht falsch verstehen. Ich liebe meine Kinder wirklich. Aber..." Jedenfalls habe ich das bisher in fast jedem anderem Blog an solchen Stellen gelesen. ;-) Ich finde aber, das versteht sich natürlich von selbst, oder?!)

Dann möchte der Mann natürlich gern abends von seiner Arbeit erzählen. Und ich möchte ihm auch aufmerksam zuhören. Und selbst natürlich auch von unserem Tag erzählen (er hört mir wirklich immer zu!). Manchmal muss ich aber leider sagen: "Du, mir ist das gerade zu viel. Ich kann mich nicht darauf konzentrieren. Bitte erzähle es mir ein anderes Mal". Zum Glück hat er auch dafür Verständnis. 

Wo bleibt nun ein bisschen Zeit für mich? 

  • Morgens, wenn die Kinder in Schule und Kindergarten sind und ich nicht arbeiten muss. Und wenn ich es schaffe, die Hausarbeit, die mir ständig über den Kopf wächst, auszublenden (denn es gäbe immer, immer, immer etwas zu tun).
  • Einmal in der Woche, wenn das Schulkind um acht Uhr Schule hat, schon aus dem Haus ist und ich noch etwas Zeit für einen Kaffee habe, bevor ich das Kindergartenkind wecken muss. Tief durchatmen und ein Stückchen Glück in Form des schwarzen Heißgetränks genießen. 
  • Am Wochenende, wenn der Mann sich die Kinder schnappt, mit ihnen zm Schwimmen fährt oder sie allein zum Reiten begleitet (gerne auch verbunden mit meinem schlechten Gewissen, weil ich ja eigentlich auch dabei sein möchte, wenn wir als Familie was unternehmen).
  • Wenn ich mal wieder ganz gestresst aus der Wäsche gucke, fährt er auch schon mal ohne mich mit ihnen zu seinen Eltern. 
  • Wenn ich in den Ferien mal mit ihnen zu Ikea fahre und vor dem eigentlichen Einkauf erstmal "in Ruhe" einen Kaffee trinke, während sie im Smaland spielen. Ja, auch das.
  • Wenn ich am Wochenende im Bett bleiben darf, währen die Kinder schon mal mit dem Papa frühstücken.

Warum nicht öfter? Keine Zeit. Wir haben wirklich sehr, sehr liebe Großeltern, die mehr als Gold wert sind, weil sie uns unglaublich helfen. Sie passen auf, wenn Elternabend ist, sie bringen Kinder in den Kindergarten und holen von der Schule ab, sie betreuen sie in den oben beschriebenen Zeiten oder wenn ich mit einem mal zum Arzt muss... aber ich mag sie nicht überstrapazieren und frage daher so gut wie nie einfach "nur so". Höchstens für die Steuererklärung.

Was mache ich denn dann?

Tja! Gute Frage! Ich erinnere mich an Zeiten, da habe ich eine freie Stunde genutzt, um ganz in Ruhe mit einem guten Buch in der Badewanne zu versinken. Irgendwie ist mir das völlig abhanden gekommen. Wie blöd eigentlich! Ich habe hier schon seit über einem halben Jahr einen Gutschein für eine Thai-Massage liegen. Ich müsste nur mal einen Termin ausmachen... 

Wenn ich allein zu Hause bin, dann blogge ich. Neuerdings auch hier oder auf Genusslieben.de. Das macht mir Freude und ich komme dabei manchmal richtig in einen "Flow". Aber ist das wirklich Zeit für mich, wenn ich für andere Rezepte aufschreibe?

Oder ich koche mir einen Kaffee, setze mich aufs Sofa und lese meine Twitter-Timeline. Das ist kurzweilig, unterhaltsam und informativ. Wirklich allein bin ich dabei trotzdem nicht, wenn auch nur virtuell. Ich glaube, was ich brauche, ist mehr exklusive Zeit. Zeit, in der ich mir wirklich vornehme, es mir gut gehen zu lassen. Ein Bad, eine Massage, wieder Sport machen. Dinge, die mir gut tun, ohne direkt wieder irgendeinem Zweck zu dienen. Tja. Wirkliche Tipps habe ich also für euch auch nicht, aber gute Vorsätze. ;-) Nämlich meine Zeit nicht zu vertrödeln, zu verdaddeln, sondern aktiv zu nutzen. Und ein ganzes Stück weiter unten stehen noch ein paar Wünsche auf der Liste, die ich irgendwann verwirklichen möchte, wenn ich mal wieder mehr Zeit habe (haha): Akkordeon spielen lernen und eine Sprache mal richtig lernen. Ich kann 5 Fremdsprachen rudimentär bis eigentlich gar nicht mehr. In einer davon möchte ich mich gerne flüssig unterhalten können. Sollte eigentlich zu schaffen sein, oder?