muckich.

Vorschulkind

von Mama
am 27.04.2016 12:39

Puh, das war in den letzten Wochen eine Zitterpartie. Und erst jetzt, wo sie vorbei ist, merke ich, wie mich das emotional doch sehr beschäftigt hat. Vielleicht ist das auch eine Erklärung dafür, dass Kathi eine ziemlich anstrengende Phase hat(te), denn Kinder haben ja für so etwas meist sehr feine Antennen und bekommen mehr oder weniger bewusst mit, dass in den Eltern etwas vorgeht.


Aber von Anfang an. Schon im November haben wir entschieden, Kathi in der Schule anzumelden, so wie wir es mit Alex damals auch gemacht haben. Das bedeutet, dass sie vorzeitig eingeschult werden soll, mit fünf Jahren. So eine Entscheidung macht man sich als Eltern nie einfach und sie kostete uns schon damals einige schlaflose Nächte mit viel Abwägen von Für und Wider. Dass sie kognitiv so weit ist, war uns von Anfang an klar, aber sie ist halt vom Typ her ganz anders, als ihr großer Bruder. Quirlig, laut, impulsiv, launisch. Geht das gut? Viele verschiedene Gründe haben letztendlich dafür gesprochen und so saßen wir Anfang November wieder im Büro der Direktorin. Sie nimmt für die sogenannten "Kann-Kinder" extra  Zeit, um sie kennenzulernen und sie ein bisschen zu "prüfen", z.B. ob sie würfeln kann, wie sie einen Stift hält, ob sie ihren Namen schon schreiben kann, eine Bildbeschreibung eines Wimmelbildes auf einer Leinwand etc. Hier hat sich Kathi ganz gut angestellt, aber der Meinung der Direktorin war sie bei der Bildbeschreibung etwas zu sprunghaft und hatte nach dem dritten Fehlersuchbild keine Lust mehr, was ihr als mangelnde Frustationstoleranz ausgelegt wurde (ich selbst hätte das ganz anders interpretiert, aber mein Urteil zählt ja in dem Moment nicht). Jedenfalls haben wir dann vereinbart, dass Kathi etwa im März nochmal eingeladen werden soll und dann geschaut wird, wie sie sich bis dahin entwickelt hat. 

Mit der Kita-Leitung hatte ich gesprochen und Kathi durfte ganz normal am Vorschulkind-Programm teilnehmen (woran sie auch viel Freude hat). Würde sie nicht eingeschult, dürfte sie das einfach im nächsten Jahr nochmal mitmachen, da sind sie im Kindergarten zum Glück recht unkompliziert und entgegenkommend. 

So zog also die Zeit ins Land und wir haben erstmal abgewartet. Erst im April bekamen wir die Einladung zur Schuleingangsuntersuchung. Währenddessen brodelte im Kindergarten scheinbar die Gerüchteküche. Ich bekomme ja immer viel nicht mit, aber wenn eine mit mir befreundete Mutter angesprochen wird, ob Kathi denn nun eingeschult würde und man hätte ja gehört, es gäbe Schwierigkeiten ... warum bitte kann man mich da nicht selber ansprechen, zum Kuckuck nochmal?? Ich beiße nicht und bin mit dem Thema auch immer offen umgegangen, ohne es an die große Glocke zu hängen.

Am betreffenden Tag war Kathi leider etwas angeschlagen. Sie hatte eine Bronchitis und war wegen starken Hustens seit halb fünf am Morgen wach. Der Termin war um halb zwölf, mit entsprechenden Wartezeiten zog es sich noch etwas in die Länge. Sie hat alles prima mitgemacht (das war ja meine größte Sorge, weil sie sich bei der U7a komplett verweigert hatte) ;-) und die Aufgaben auch ganz gut gelöst. Bis wir in dem Raum mit den Turnübungen ankamen, war es mittlerweile halb eins, das Kind müde, hungrig und deswegen langsam genervt. Sie alberte dann leider herum und ließ sich immer wieder fallen, weil sie müde sei, statt ordentlich auf einem Bein zu stehen oder über einen Balken zu balancieren (wovon ICH weiß, dass sie das super kann. Aber das Urteil der Mutter fällt ja nicht so ins Gewicht, s.o.) Dort in dem Raum durften wir dann wiederum eine Weile warten, bis wir endlich zur eigentlichen Ärztin eingelassen wurde, die dann erneut einige Tests und die körperliche Untersuchung machte. Ansonsten war das Gespräch mit ihr - sorry - unter aller Kanone. Falls man diesen Monolog noch Gespräch nennen kann. Einig waren wir uns allein darin, dass Kathi kognitiv weit genug sei, "aber das Soziale, Emotionale ..." Ich möchte das gar nicht näher ausführen, aber ich habe mich sehr über die Art und Weise geärgert, wie wir abgekanzelt wurden und meine Meinung und mein Eindruck von meiner eigenen Tochter weniger zählen sollte, als ein fünfminütiger Eindruck einer fremden Person. 

Was folgte, waren Telefonate der Institutionen unterinander - Schulärztin mit Kindergarten, Schulärztin mit Schule, Schule mit Kindergarten, irgendwann dann noch Schule mit uns. Diese Woche durfte / sollte Kathi dann an einem dreistündigen Probeunterricht in der jetzigen ersten Klasse teilnehmen, danach hatten wir ein Gespräch bei der Direktorin, die dann das Urteil fällen wollte, damit wir auch endlich eine Entscheidungssicherheit haben. Diese Ungewissheit zehrte tatsächlich an unserem Nervenkostüm und das hat sich sicher auch auf unsere Tochter übertragen. Nun hat sie sich im Probeunterricht, wie ich finde, so gut angestellt, wie es in einer solchen Sondersituation eben möglich war. Um es kurz zu machen, die Direktorin warf nochmal alle Aussagen in die Waagschale und sagte dann, sie hättte zwar ein wenig Bauchschmerzen dabei, aber wenn wir bei unserer Entscheidung blieben, würde sie diese akzeptieren. Ich habe ihr dann erklärt, dass ich meiner Tochter vertraue, dass sie das schon schafft und juchhuuuu ... sie darf in die Schule! Sie selbst hat sich riesig gefreut, denn sie möchte unbedingt! 

Nochmal zur Erklärung: Wir sind keine Eltern, die unbedingt ihre Kinder pushen wollen, damit sie Höchstleistungen erbringen. Wir möchen, dass unsere Kinder glücklich sind. Das ältere von beiden ist mittlerweile getestet hochbegabt, was ganz besondere Herausforderungen mit sich bringt (dazu werde ich auch noch bloggen). Dass die kleine Schwester wesentlich weniger begabt ist, ist einfach unwahrscheinlich und macht hier zu Hause definitiv nicht den Eindruck. Vorurteile, mit denen man immer zu kämpfen hat sind die der "ehrgeizigen Eltern", dass das Kind doch "noch spielen muss", dass es im sozialen Bereich Schwierigkeiten hat, emotional noch nicht weit genug ist etc. 

Was viele aber nicht wissen ist, dass die soziale und emotionale Entwicklung oft durch das Ausgebremstsein der kognitiven Fähigkeiten auch stagniert. Dass diese Kinder dann auch schon mal besonders auffällig werden (gerne wird ja auch ADHS in den Raum geworfen - ist es aber nicht!). Möglich ist auch, dass kognitive und emotionale wie soziale Fähigkeiten sich nicht in gleichem Maße entwickeln. Dann muss man den Spagat schaffen, die beste Lösung für das Kind zu finden, die häufig ein Kompromiss ist, weil es einfach leider sehr wenige adäquate individuelle Möglichkeiten gibt in unserem Bildungssystem. Unser Kompromiss ist in diesem Falle die vorzeitige Einschulung, weil wir sicher sind, dass sie das packt und weil ein weiteres Kindergartenjahr aus verschiedenen Gründen für sie eine denkbar schlechte Lösung wäre. Ich würde mir wünschen, dass Eltern und Kinder nicht so schnell abgestempelt und in eine Schublade gesteckt werden. Dass man gerne offen dafür bleibt und bei Unklarheiten nachfragt, statt zu tuscheln. Dass man dem Urteil der Eltern auch einfach mal vertraut, die ihr eigenes Kind ja wohl am allerbesten kennen.

Wir jedenfalls freuen uns jetzt sehr auf die Einschulung und den neuen Lebensabschnitt, der damit beginnt. Und wenn dann irgendwelche Schwierigkeiten auftauchen, werden wir sie angehen. Aber auch erst dann und nicht schon vorher im Sinne von "was könnte passieren". Vielleicht läuft nämlich auch einfach mal alles glatt!

Übrigens: Spielen dürfen unsere Kinder natürlich trotz Schule! Es ist ja nicht so, dass das ganze Vergnügen mit der Einschulung vorbei ist. ;-)