muckich.

Wenn Kinder selbständig werden

von Mama
am 13.06.2016 11:01

Wow, habe ich diese Woche noch gedacht, Kathi ist schon richtig selbständig geworden. 

Dabei haben wir gerade eine ziemlich anstrengende Phase. Alles, aber auch wirklich alles wird ausdiskutiert. Sie will sich Freiheiten erkämpfen, mit allen Mitteln. Das fängt an, wenn ich ihr morgens ein Glas Wasser einschenke: "Das wollte ich aber selbst machen!!", geht weiter, wenn ich ihr die Autotür öffne: "Das wollte ich alleine machen!!" und hört nicht auf, wenn wir für das Spielen draußen im Garten und in der Umgebung die Bedingungen verhandeln.

Es ist nur eine Phase

Es ist die Phase zwischen Kindergarten und Schule. Die Phase, in der ein Kind scheinbar gerade nicht so genau weiß, wo es eigentlich hingehört. Ein Umbruch, ein Aufbruch ins Ungewisse. Im Kindergarten werden schon die Garderobenhaken woanders hingerückt, um Platz zu machen für die neuen Kleinen, die bald kommen. Ihr wird langsam klar, dass sie sich von einigen Freundinnen wird trennen müssen. Sie freut sich sehr auf die Schule, aber so ganz genau weiß sie ja auch nicht, was da auf sie zukommt. 

Was es nicht leichter macht, sind die Mitmenschen, die ständig Dinge sagen wie: "Wenn du in die Schule kommst, musst du aber...!" oder "Sitz mal still. Das musst du in der Schule auch!". Wieso muss man ein Kind in einer so aufregenden Phase noch zusätzlich unter Druck setzen und ihm die ganze Freude damit verleiden? Es gab ja genug Hin und Her in der letzten Zeit. Das Beste kam dann noch bei der U9 bei der Kinderärztin. Sie sagte zu Kathi: "Wenn du jetzt weiter so hampelst, rufe ich in der Schule an und sage denen, dass du doch noch nicht kommen kannst!" Ganz großes FAIL! Erstens steht ihr das überhaupt nicht zu, weil sie an der Entscheidung gar nicht beteiligt ist und zweitens fand ich das einfach unglaublich unpassend. All diese kleinen Sticheleien, wenn es sowieso gerade in einem Kind so arbeitet, sind natürlich nicht gerade förderlich. 

Trotzdem hatte ich gerade in der letzten Woche das Gefühl, dass sie nochmal einen richtigen Entwicklungssprung gemacht hat. Sie trifft selbständig vernünftige Entscheidungen, ist unheimlich mitfühlend und kümmert sich um andere, sie zieht sich morgens direkt an. Wenn wir am Wochenende noch schlafen, geht sie halt in die Küche und macht sich etwas zu essen. Klappt natürlich nicht immer, aber ich habe in der letzten Zeit schon einige Male anerkennend gedacht: "Oh. Wow." 

Zu viel Selbständigkeit ist auch nicht gut

Am Wochenende nun war ich früh morgens schon arbeiten und mein Mann wurde jäh aus dem Schlaf gerissen, weil es sturmklingelte. Vor der Tür stand unsere Tochter und wollte wieder rein. Sie hatte sich angezogen und war durch die ganze Siedlung gelaufen, um ihre Freundinnen zum Frühstück einzuladen! Das war uns dann doch wiederum ein bisschen zu viel Selbstständigkeit. Nun müssen neue Regeln ausgehandelt werden. Uuuuuuhhhhh....! 

(Der Mann musste übrigens nicht für 5 Mädchen Frühstück machen. Angetroffen hatte sie nur eine und die konnte nicht. ;-) )