muckich.

Fulltime Job

von Mama
am 28.09.2016 11:55

Wenn ich nach meiner Arbeit gefragt werde, sage ich oft: "Najaaaa.... aber ich arbeite ja "nur" 25%." Aber wieso eigentlich nur? Und was mache ich während der restlichen Zeit?

Erstens ist es in meinem Beruf in der Regel so, dass es zwar viele Teilzeitstellen gibt, aber man leider nicht jeden Tag einfach weniger Stunden arbeitet, sondern ganze Dienste macht. Das bedeutet, ich arbeite zwar seltener, aber an den Tagen, an denen ich Dienst habe, bin ich auch voll da, also 8 Stunden. Und brauche dann Betreuung für die Kinder (ein riesiges Dankeschön an die Großeltern!). An allen anderen Tagen habe ich also frei - und trotzdem sind sie ziemlich ausgefüllt. Derzeit ballen sich die Termine. Auf der einen Seite übernehme ich ehrenamtliche Aufgaben. Auf der anderen Seite will mein Nebenjob ab und zu auch gefüttert werden, ich suche also nach Rezepten, durchstöbere Foodblogs, mache Werbung, schreibe und beantworte E-Mails, telefoniere, bereite mich auf die Kurse vor. Und - ach ja! - da sind ja noch zwei Kinder. Damit wären wir auch schon bei der Überschrift, denn die sind eigentlich der wirkliche Fulltime Job. Es ist eine riesige Umstellung für mich, dass Kathi statt einem 45-Stunden-Kitaplatz nun oft schon um halb 12 Schulschluss hat. Ich habe sie ganz bewusst nicht in der Betreuung oder im Ganztag angemeldet, denn meistens bin ich ja zu Hause (siehe oben). Zudem bringe und hole ich sie noch. Im vergangenen Schuljahr hatte der Ablauf sich so gut eingependelt, dass ich gekocht habe und Alex ja schon alleine von der Schule nach Hause kam; dann konnten wir direkt essen. Nun muss ich also entweder vorher schon alles vorbereiten oder erst kochen, wenn ich Kathi abgeholt habe, aber dann muss es schnell gehen. ;-) 

Außerdem finden momentan unglaublich viele Aktionen und Ausflüge in der Schule statt, bei denen immer wieder die Begleitung von Eltern erforderlich ist. Das mache ich wirklich gerne, denn ich bin ja meist zu Hause (siehe oben), aber ich habe zwei Kinder an unterschiedlichen Betriebsteilen der Schule, so dass ich gucke, einigermaßen abwechselnd die Klassen zu begleiten. Immerhin sorgt die Schule für meine regelmäßige Bewegung an frischer Luft, ist ja gesund! So oder so ähnlich sieht dann also mein "Dienstplan" dann aus:

  • Montag - ein normaler Schultag, wow! Nachmittags Kindertaxi zum Sport.
  • Dienstag - Begleitung bei der Müllsammelaktion von Kathis Klasse, mit Bollerwagen drei Stunden durch den Wald laufen.
  • Mittwoch - schulfrei, die Lehrer bilden sich fort. Wir machen erst Hausaufgaben, dann einen Ausflug. Nachmittags Musikschule und Sport.
  • Donnerstag - Abschluss des Fahrradtrainings in Alex' Klasse. Weil sich zu wenige Eltern gemeldet haben, begleiten mein Mann und ich die Fahrradtour beide. Der Nachmittag ist frei. Abends gehe ich zum Gesprächskreis für die Eltern hochbegabter Kinder. 
  • Freitag - ein normaler Schultag, allerdings ein kurzer. Ich muss einkaufen und stehe mit Vorbereitungen in der Küche, weil ich am Abend für meine Mutter und ihre Freundinnen kochen werde.
  • Samstag und Sonntag habe ich Frühdienst. Das bedeutet, dass ich um fünf Uhr aufstehen muss - am Wochenende! Ich mag meine Arbeit wirklich... aber an das frühe Aufstehen habe ich mich auch nach 20 Jahren noch nicht gewöhnt. Am Samstag gehen wir anschließend alle zusammen auf die Kirmes (das war sehr schön, aber ich bin danach ziemlich platt), am Sonntag zum Familientreff und hinterher gehe ich mit Alex noch in die Kirche. Er ist jetzt Erstkommunionskind und in unserer Gemeinde ist die Messe um 18 Uhr.
  • Montag - statt um viertel vor neun muss Alex heute schon um acht in der Schule sein. Ich begleite ihn und die Schulklasse zum Kino (wieder zu Fuß...), dort sehen wir "Der kleine Medicus", die Kinder dürfen alte gegen neue Zahnbürsten tauschen und sich die Zuckerausstellung ansehen (dort ist dargstellt, wieviele Stücke Würfelzucker z.B. in Marmelade, Nutella, Zitronentee, Fruchtjoghurt etc. enthalten sind). Zur Marschverpflegung gibt es noch einen Apfel und es geht zurück zur Schule. Von da aus schaffe ich es gerade rechtzeitig nach Hause, um mich dort ins Auto zu setzen und zur anderen Schule zu düsen, um Kathi abzuholen. Nachmittags Sport. 
  • Dienstag - ein normaler Schultag. Ich habe einen Zahnarzttermin. Auch nicht viel besser.
  • ...
  • Am Freitag veranstaltet die Schule ein großes Sportfest. Ratet, wer als Begleitung wieder dabei sein wird..

So nebenbei müssen natürlich Hausaufgaben beaufsichtigt werden, irgendjemand muss die Wäsche waschen und bügeln, Spülmaschine ein- und ausräumen (manchmal zweimal am Tag), Tisch decken und wieder abräumen, Krümel wegsaugen, sonstige Hausarbeit macht sich leider auch nie von alleine, die Kaninchen wollen regelmäßig Futter und einen sauberen Käfig, ab und zu braucht der Rasen eine neue Frisur, ich muss daran denken, meiner Tochter das Kakaogeld einzustecken (heute vergessen, daher in der Pause nochmal schnell hingefahren), den Kindern am richtigen Tag das Sportzeug mitzugeben, die Bücher für die Bücherei rechtzeitig zurückzugeben, gefühlt jeden Tag drei Info-Zettel oder Klassenarbeiten zu unterschreiben, ans Klavier- und Gitarreüben erinnern, ach - ihr kennt es ja sicher selbst. 

Also ganz ehrlich - das ist mein Vollzeitjob. Leider ziemlich schlecht bezahlt, nämlich gar nicht. Trotzdem mache ich es gerne, also bis auf den Haushalt. Und genau deshalb ist es bei uns fast nie aufgeräumt, und wenn es bei uns mal aufgeräumt ist, dann sieht es maximal so aus wie in anderen Wohnungen, wenn die Mütter sagen: "Bitte guck nicht hin, ich hab nicht aufgeräumt!" Da kann ich meist nur müde drüber lächeln. Unsere Fenster werden nur geputzt, wenn ich das Gefühl habe, dass es auch mal wieder heller sein könnte - oder ich bestelle einen Fensterputzer. Meine hochtrabenden Pläne, die Kinder so gesund wie möglich zu ernähren, schrumpfen an nicht wenigen Tagen auf "Kartoffelpüree, Fischstäbchen, Apfelmus" zusammen. Nudeln mit Pesto sind auch toll! Ich kann super gut improvisieren, in jeder Lebenslage. Keine Sorge, das Bad ist sauber. Man kann uns gerne besuchen, man muss halt dabei schon mal erst über ein paar Teile drüber steigen. Da steht vielleicht noch die Sporttasche von gestern herum.