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Das Ehrenamt

von Mama
am 21.12.2016 12:49

Neulich musste ich mal ein bisschen stöhnen - irgendwie fanden innerhalb weniger Wochen ganz viele Veranstaltungen statt. Von Müll sammeln über schulisches Fahrradtraining bis hin zur Begleitung ins Kino (inzwischen geht's aber wieder und wir freuen uns auf die Ferien).


"Woher haben die Menschen immer diesen Drang zum Ehrenamt?"

Jetzt könnte man natürlich sagen, ich muss das ja alles gar nicht machen. Stimmt. Aber es finden sich immer zu wenig freiwillige Eltern (ja, ich weiß, dass die meisten einen guten Grund haben, warum sie das nicht können) und ich fände es schade, wenn Aktionen deswegen nicht stattfinden könnten. Ich freue mich, wenn meinen Kindern solche Dinge ermöglicht werden. Das reicht vom Klassenausflug übers Sportfest bis zur Bücherei in der Schule (die natürlich auch ehrenamtlich von Eltern betreut wird). Ich wurde letztens auf Twitter gefragt: "Woher haben Menschen immer diesen Drang zum Ehrenamt?" Das hat mich erstmal sprachlos gemacht. Ich glaube, ohne Ehrenamt würde die ganze Gesellschaft nicht funktionieren - und fast jeder profitiert davon! Ich fand diese Aussage so egoistisch - ich habe mir bisher niemals Gedanken darum gemacht, warum ich das mache, sondern nur darum, welche Aufgabe ich übernehmen könnte. Welche mir liegt oder welche auch nicht, wie und wo ich mich einbringen kann. Ich habe schon viel gemacht und wirklich alles hat mich bisher bereichert und zur Entwicklung meiner Persönlichkeit beigetragen. Dabei erwarte ich gar nicht, dass jeder das macht. Aber nach dem Sinn gefragt zu werden, das war mir bisher noch nie passiert. Überall findet man Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren - in Sportvereinen, in Müttercafés, in der Flüchtlingshilfe, bei der Kinderbetreuung, Begleitung von Senioren; bei uns im Hospiz z.B. übernehmen sie unterschiedlichste Aufgaben - der eine geht darin auf, Patienten zu begleiten, der andere streicht die Wände und der dritte steht stundenlang auf dem Trödel und/oder sammelt Spenden. 

Durchatmen, Kräfte sammeln, für sich selbst sorgen - auch das ist wichtig 


Ich selbst war jetzt vier Jahre lang Mitglied im Elternbeirat des Kindergartens und im Vorstand auf Stadtebene - ausgeschieden bin ich, weil ich nun kein Kindergartenkind mehr habe. ;-) Danach brauchte ich tatsächlich erstmal eine Pause. Durchatmen, Kräfte sammeln, auftanken - auch das ist wichtig. Man darf bei all der Fürsorge für andere (und ich habe ja neben dem Ehrenamt auch noch einen Job, der nicht ganz alltäglich ist und mir manchmal einiges abverlangt) sich selbst nicht vergessen.
Dann die Ärmel hochkrempeln und etwas Neues finden. Dafür muss ich auch meist gar nicht viel machen, sondern mir fliegen die neuen Aufgaben oft einfach so zu. Zufällig stieß ich auf ein Projekt, bei dem mit Flüchtlingen gekocht werden sollte. Genau das Richtige für mich - also habe ich "zugegriffen"! Dass der hauptamtliche Initiator des Projektes ein ganz lieber alter Bekannter früher ist, den ich noch von den Pfadfindern her kenne, ist ein positiver Nebeneffekt. Dass mein Sohn jetzt in seine Pfadfindergruppe geht (die er übrigens ebenfalls ehrenamtlich leitet) und total begeistert bei der Sache ist, hat sich darüber hinaus ergeben. 


Inzwischen haben bereits drei Termine stattgefunden, an dem wir mit Familien aus der Mongolei, aus Myanmar, aus Russland, Armenien und Syrien gemeinsam gekocht haben - türkische Mezze, italienische Pizza, amerikanische Burger und deutsche Bratäpfel! Es ergaben sich wunderbare Gespräche, manchmal ersthaft, oft lustig. Beim letzten Mal haben wir uns darüber ausgetauscht, wie in den jeweiligen Ländern Weihnachten gefeiert und was dazu gegessen wird. Wenn das nicht bereichernd ist?! Die Kinder tauen langsam auf, die größeren helfen fleißig mit - entweder helfen sie ihren Eltern beim Übersetzen der Rezepte oder packen selbst mit an und kneten, rühren, schnibbeln, was das Zeug hält. Die Kleinen sind machmal schon müde, aber es findet sich immer ein Erwachsener, der eines herumträgt, tröstet, ihm ein Stückchen Apfel zum Naschen in die Hand drückt. Im Sommer wird es für sie sicher entspannter, dann können die Kinder nämlich auch draußen im Hof spielen. Ich freue mich schon darauf. Im Übrigen, um ein Vorurteil auszuräumen, das einem häufig begegnet, kümmern sich die Väter genau so liebevoll um ihre Kinder, wie die Mütter auch. Keiner ist sich zu schade, mit anzupacken, Tische zu tragen, Zwiebeln zu schneiden, Teig zu kneten oder Krümel aufzuwischen. Ich habe es bisher in keinem meiner Kochkurse erlebt, dass die Küche so schnell wieder aufgeräumt war und blitzte und blinkte wie hier. Das alles habe ich auch gerne erzählt, nachdem mich beim letzten Kochkurs, an dem ich selber teilgenommen und über dieses Projekt erzählt habe, tatsächlich meine Sitznachbarin fragte: "Ach, sind die gar nicht so, wie man immer hört?!" Ich weiß nicht, aus welchen Quellen sie was gehört hat. Aber sie war ganz interessiert und ich würde mich freuen, wenigstens eine Person davon überzeugt zu haben, dass es sich lohnt, alles auch mal aus einer anderen Perspektive anzuschauen!

Es erweitert meinen Horizont, es macht mir Freude und verbindet meine Leidenschaft fürs Kochen mit dem Ehrenamt und dem Gefühl, anderen alle zwei Wochen einen schönen, unbeschwerten Abend ermöglichen zu können. 

Das ist meine Motivation, mein "Drang zum Ehrenamt". 

Falls ich jemanden von euch anstecken konnte und ihr euch an dem Kochprojekt beteiligen möchtet, meldet euch gerne bei mir! Zur Zeit betreuen wir das "Internationale Kochen" zu zweit. Es wäre schön, das auf ein paar mehr Schultern zu verteilen, damit es nicht ausfallen muss, wenn mal jemand krank oder im Urlaub ist.