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Elternsprechtag, Beratung, weiterführende Schule

von Mama
am 08.02.2017 11:09

Auch bei Alex fand vor den Weihnachtsferien noch ein Elternsprechtag statt. Hier ging es um die Beratung zur Auswahl der weiterführenden Schule. Er ist ja bereits im vierten Schuljahr und das wird jetzt nochmal spannend! ;-)

Wir waren mit der Lehrerin ja sowieso in ganz gutem Kontakt, da Alex nach Ostern nach dem Überspringen neu in die Klasse dazugekommen ist. Anfangs hatte er ein paar Schwierigkeiten mit dem richtigen Arbeitstempo und der Selbsorganisation. Oft brauchte er deutlich länger als seine Klassenkameraden, um im Unterricht seine Aufgaben zu lösen. Auch für die ersten mitgeschriebenen Arbeiten bekam er mit einem (oder zwei) zugedrückten Auge mehr Zeit zugestanden. Außerdem fiel im die Umstellung von einem fertig überreichten Wochenplan für die Hausaufgaben (in der alten klasse) bei frei einteilbarer Zeit hin zum täglichen Aufschreiben der Hausaufgaben, die von Tag zu Tag zu erledigen sind, ziemlich schwer. Nach den Sommerferien hatte er mehrmals vergessen, die Hausaufgaben in sein Heft zu schreiben (dabei aber die Mama und die Whatsapp-Gruppe der Eltern unterschätzt :-D ) und die Lehrerin gab ihm hier ein bisschen Unterstützung, indem sie kontrollierte, ob er alles ordnungsgemäß eingetragen hatte. 

Bis zum Elternsprechtag hatte er sich aber wirklich gut entwickelt. Die Hausaufgaben schreibt er inzwischen selbständig ab, denkt meistens daran, unterschriebene Tests und Arbeiten auch vorzuzeigen und entsprechende Briefe auch zu Hause abzugeben. Was ihm manchmal zum Verhängnis wird, ist seine Mutter, die auch nicht immer perfekt organisiert ist *hüstel* Manchmal fällt mir mitten in der Nacht kurz vor dem Zubettgehen ein, dass ich noch etwas ausfüllen und unterschreiben muss. Ich erledige das dann zwar schnell noch, vergesse aber mitunter, ihm das morgens auch zu sagen. Dann weiß er also gar nicht, dass er das jeweilige Schreiben überhaupt vorzeigen kann! Das habe ich der Lehrerin dann auch so erzählt. Wir haben herzlich gelacht. 

Nun ging es also darum, eine Schulform für die weiterführende Schule zu wählen. Dafür schreibt die Lehrerin eine entsprechende Empfehlung. Welche Schulformen es hier vor Ort gibt, hatten wir schon bei einem Eltern-Informationsabend erzählt bekommen. Hauptschulen gibt es gar nicht mehr, diese wurden zum Teil in Sekundarschulen umgewandelt. Dann gibt es natürlich noch Gesamtschulen (eine mit besonderem Schwerpunkt auf sportliche Leistung),Realschulen und Gymnasien.

Für uns, aber auch für Alex selbst, war ziemlich schnell klar, dass wir eines der Gymnasien wählen würden. 

Im Gespräch resümierte die Lehrerin also nochmal die vergangenen Monate - wie Alex sich entwickelt hat, wo seine Stärken liegen (deutlich im sprachlichen Bereich), wo er noch ein bisschen Unterstüztung braucht (eher in Bereichen außerhalb des Unterrichts - z.B. selbständig den richtigen Raum zu finden. Dazu muss man aber auch sagen, dass er nicht nur die Klasse, sondern auch das Gebäude gewechselt hatte). Die reinen Noten haben sich deutlich verbessert, auch weil er konzentrierter bei der Sache ist und bei den schriftlichen Arbeiten inzwischen in der vorgegebenen Zeit fertig wird. Sie erkundigte sich nach unserer Einschätzung und unserem Schulwunsch, den ich ihr mitteilte. Anschließend fragte sie, im Hinblick auf des dort angebotenen G9-statt G8-Abiturs, ob für uns auch eine Gesamtschule in Frage käme, was ich verneinte. Das hat für uns verschiedene Gründe - unter Anderem einmal die Befürchtung, dass eine individuelle Förderung und Forderung eines hochbegabten Kindes im Klassenverband mit Schülern jeglicher Begabung einfach schwieriger ist und darüber hinaus die Schulen noch größer (also mit mehr Schülern) und damit für einen eher schüchternen, jungen Schüler unübersichtlicher sind, als die Gymnasien. Kurz zögerte die Lehrerin und stellte dann fest: "Hmmmm... ich denke immer daran, dass er noch so jung ist und befürchte, die hohen Anforderungen am Gymnasium könnten ihm zu viel werden. Andererseits sehe ich ihn auch nicht an einer Realschule - von daher wäre es eigentlich Quatsch, ihm die Empfehlung für das Gymnasium nicht auszustellen!" Ja, so sehe ich es auch. ;-) 

Es war ein freundliches und offenes Gespräch. Auch hier dankeschön dafür!

Nachtrag

Inzwischen haben wir uns drei der vier Gymnasien unserer Stadt bei den Tagen der offenen Tür angeschaut und Alex hat sich ganz klar für eines entschieden. Dem Wunsch werden wir dann auch nachkommen, auch wenn es ausgerechnet die Schule ist, die von uns am weitesten entfernt liegt. Andererseits - Bus fahren müsste er eh und ob man nun eine Station mehr oder weniger fährt, ist dann auch egal. Er muss sich dort wohlfühlen und soll mit einem guten Gefühl starten, das wünschen wir ihm! Und auch hier braucht es wieder unser Vertrauen in ihn. Wir weden ihn begleiten und unterstützen - er schafft das schon! 

Kurz schluckte ich, als er in der ersten Deutscharbeit nach diesem Gespräch eine Drei nach Hause brachte. Nicht falsch verstehen, mir reicht ein "befriedigend" absolut aus, nur befürchtete ich kurz, die Lehrerin könnte an ihrer Entscheidung zweifeln. Andererseits glaube ich das aber nicht und es spiegelt nur wider, was die Direktorin beim oben genannten Infoabend auch berichtet hatte - nämlich das viele Schüler nach den Beratungsgesprächen erstmal abschalten, weil sie sich (unbewusst) sicher fühlen und das letzte halbe Jahr sowieso einfach für alle eine schwierige Phase ist, weil viel wiederholt wird und die Spannung und Aufregung steigt. Somit fällt er eigentlich gar nicht aus dem Rahmen und wir bleiben entspannt! :-)

Info

Eine verlangsamte Arbeitsweise, wie oben beschrieben, kann ein Zeichen für eine Hochbegabung sein. Die Kinder schalten einfach ab, weil stetige Wiederholungen zu langweilig für sie sind. Sie können das aber unter Umständen nicht äußern. Wir hatten hier ja auch eher das Problem "Mathe kann ich nicht, das verstehe ich einfach nicht!". Das Gehirn macht einfach nicht mehr mit, wenn es nicht gefordert wird. Dieses Bild entspricht dann nicht dem, was z.B. Lehrer von einem hochbegabten Kind erwarten - viele erwarten immer Höchstleistungen. Daher ist es besonders wichtig, auch die sogenannten "Underarchiever" zu erkennen und ensprechend zu fördern und zu fordern. Wir haben uns ja in dem Fall dank guter Beratung und Begleitung für das Überspringen der Klasse, auch Akzeleration genannt, entschieden.

Vielen Schülern hilft auch Enrichment, also das Anreichern des Lernstoffs. Nähere Informationen gibt es im Internet auf der Seite des Netzwerk Akzeleration oder den Seiten der Deutschen Gesellschaft für das Hochbegabte Kind e.V.