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Kinder-Astronomie-Workshop in der Sternwarte Bochum

von Papa
am 07.03.2017 00:55

Letzte Woche waren wir im Kinder-Astronomie-Workshop in der Sternwarte Bochum - nicht zu verwechseln mit dem (besser bekannten) Planetarium Bochum! Die Tickets hierfür hatten wir schon vor einigen Monaten bei Groupon ergattert. 


Vom Parkplatz aus konnte man schon einen Wald aus Antennen, Satellitenschüsseln und Solarpanelen sehen - und das imposante Dach einer kugelrunden Halle, das die ganze Szenerie überragte. Bis zum Beginn der Veranstaltung hatten wir noch etwas Zeit, aber nachdem wir uns alle in eine Liste eingetragen hatten, durften wir die Halle schon betreten, überraschenderweise durch die Doppeltür einer Luftschleuse, denn das Dach war ein Zeltdach und die ganze Halle aufgeblasen, wie ein Luftballon. Innen sahen wir dann das Herzstück der Halle: eine richtig große Satellitenschüssel. 20m Durchmesser und noch den entsprechenden Sockel dazu. Ringsherum war eine Ausstellung über die Geschichte der Raumfahrt aufgebaut, inklusive Wettrüsten im Kalten Krieg, einem echten Mondauto und Modellen von Sputnik 1 und anderen Satelliten. Die Halle war kaum beleuchtet und nicht geheizt, deshalb verloren die Kinder schnell das Interesse an der Ausstellung und machten lieber Wettrennen. Das war gar nicht so schlecht, um nochmal wach zu bleiben, denn der Workshop fing erst um 18:30 Uhr an - verständlich, denn ein Blick in den Sternenhimmen war angekündigt.

Der Vortragsraum war beheizt und nach kleinen Startschwierigkeiten mit der Technik ging es dann los; ohne eine Vorstellung der Vortragenden, sondern mit der Arbeit dieser Sternwarte. Sie ist nämlich die Bodenstation für einen von 2 Satelliten, die stereoskopische Aufnahmen der Sonne machen und z.B. vor magnetischen Stürmen (alias "Sonnenstürmen") warnen. Dass diese Stürme gefährlich sein können, ist bei den Kindern wohl angekommen. Dass diese Gefahr nicht die Menschen unmittelbar betrifft, sondern hauptsächlich Satelliten und die Stromversorgung, wurde nicht so deutlich. Und auch sonst hatte ich alle Hände voll zu tun, Kathi zuzuflüstern und zu erklären, was die junge Frau da vorne eigentlich sagen wollte.

Weiter ging's von der Sonnenoberfläche quer durch unser Sonnensystem bis hin zu Neptun. Alle Planeten wurden mit Fotos und ihren Eigenheiten vorgestellt, wo es Eis und möglicherweise Wasser geben könnte - allerdings das Meiste auf einem Niveau, das eher für Klasse 6-7, als für Grundschulkinder passend wäre. Der Vortrag hätte so viel verständlicher sein können, wenn z.B. nicht von über "Rotation" gesprochen worden wäre, sondern im Klartext gesagt worden wäre, dass sich die Planeten und Monde drehen. Umeinander und um sich selbst, im Idealfall noch mit einer Animation dazu, damit sich die Kinder das bildlich vorstellen können. Die Ankündigung hatte "einfache Grundlagen der Himmelsmechanik - wer dreht sich um wen?" versprochen. Schön wär's gewesen, statt dessen haben wir mehr Größenvergleiche gesehen. Ich weiß gar nicht, ob man die überhaupt anschaulich begreifbar machen kann. Die Entfernungen sind einfach unvorstellbar groß, und Bildmontagen mit Ausschnittsvergrößerungen sind doch nicht kinderfreundlich! Auch hier hätte ein Filmchen geholfen. 

Apropos Entfernungen: Eines der Kinder fragte, was genau ein Lichtjahr wäre. Eieiei! "Die Zeit, in der das Licht ... äh Moment". Leute! Wenn man in so einer Einrichtung arbeitet, müsste man doch selbst im Tiefschlaf noch sagen können, dass das eine Entfernung ist! Und für die Zielgruppe auch dazu erklären, dass auch Licht nur eine begrenzte Geschwindigkeit hat. Und wo wir bei sachlichen Fehlern sind: Eine Ammoniak-Atmosphäre ist tatsächlich eher unbekömmlich, aber Methan ist nicht "ziemlich giftig".

In der zweiten Hälfte ging es um Sternbilder - zum Glück nicht um astrologischen Mumpitz, sondern um die Orientierung am Nachthimmel und darum, wie man dieselbe Konstellation von Sternen auf verschiedene Weisen zu einem Bild verbinden kann - und dass die Menschen, je nach kulturellem Hintergrund, verschiedene mythische Figuren darin erkannt haben. Der Vergleich mit einer japanischen Sternkarte war hier überraschend: Die Sterne waren die gleichen, die Sternbilder hingegen völlig unterschiedlich.

Zwischendurch gab es zwei Bastel-Einlagen: Eine "Planetenschleuder", an der die Kinder ausprobieren konnten, warum schnell drehende Planeten nicht kugelrund, sondern an ihren Polen deutlich platter sind, und den Großen Wagen, für den sie mehrere Nägelchen in ein Brett gehämmert und dann mit einem Gummiband verbunden haben. Das hat Spaß gemacht, weckte alle nach dem langen Zuhören wieder auf und war sehr kindgerecht.

Von der Beobachtung des Nachthimmels war dann keine Rede mehr. Als ich nachfragte, bekam ich die Antwort, das hätten sie jetzt wegen des unsicheren Wetters weggelassen. Nun ja. Dann verstehe ich nicht, warum eine Kinderveranstaltung(!) bis 21:30 Uhr gehen muss. Noch mehr geärgert hatte mich dann, dass das anscheinend nur eine faule Ausrede war, denn auf dem Heimweg hatten wir einen so klaren Himmel, wie schon seit Wochen nicht mehr.

Woran erkennt man übrigens, dass man in der Provinz gelandet ist? Die Gastronomie ist selbst am Wochenende um diese Zeit schon geschlossen. Viel gab's dort eh nicht. Gegenüber ein kleines Restaurant, einige Straßen weiter noch einen Gasthof - aber überall waren die Lichter schon aus. In Hattingen gab's immerhin ein Schnellrestaurant - das ging auch mit sehr müden Kindern noch, bevor sie dann im Auto tief und fest eingeschlafen waren.

Nächstes Mal probieren wir's lieber mit dem Planetarium - oder natürlich mit dem Galileum Solingen, wenn's dann 2018 eröffnet wird.