muckich.

Wunsch und Wirklichkeit

von Mama
am 31.05.2017 15:03
Meine Wunschvorstellung

Morgens nach dem Klingeln des Weckers aufstehen. Liebevoll die Kinder wecken und sie bitten, sich anzuziehen, während ich selbst schnell unter die Dusche springe. Anschließend gehen wir alle gemeinsam runter, decken den Frühstückstisch, essen gut gelaunt gemeinsam. Ich bereite den Kindern ihre Frühstücksdosen vor - ausgewogen, gesund, hübsch aussehend. Wenig später stehen sie auf, waschen sich, putzen die Zähne, ziehen Schuhe und Jacken an und brechen nach einem Abschiedskuss auf, um zur Schule zu gehen. Ich winke ihnen fröhlich hinterher...

Pusteblumekuchen!!

In der Realität sieht es natürlich ganz anders aus. Der Wecker klingelt. Ich drücke die Schlummertaste. So nach dem zweiten oder dritten Mal (ist schon einkalkuliert) quäle ich mich schlaftrunken aus dem Bett. In dem einen Kinderzimmer werde ich angeknurrt, in dem anderen bekomme ich erstmal gar keine Antwort. Also oszilliere ich eine Weile hin und her, während ich mich schon mal ausziehe und die Rollos der Kinder raufziehe, um das Sonnenlicht hineinzulassen (äh, also eher umgekehrt. Aber ich hätte auch schon mal beinahe nackt am Fenster gestanden. Upps!) 

Wenn ich den Eindruck habe, das jedes Kind jetzt genervt genug ist, um wach zu werden, verschwinde ich schnell unter der Dusche. Wenn ich fertig bin, gehe ich nachschauen. Ein Kind sitzt im Schlafanzug am Comuter und hört ein Hörspiel, das andere hat sich die Decke wieder über den Kopf gezogen. Nach einigen Diskussionen um die heutige Klamottenauswahl (dabei kommt es mir auf die aktuelle Temperatur an, über zwei verschiedene Socken rege ich mich schon lange nich mehr auf) schaffen wir es endlich, am Esstisch anzukommen. Ich rotiere, um den Tisch zu decken und die Schulbrote der Kinder fertigzumachen. Nebenher versuche ich meinen Kaffee wenigstens noch einigermaßen warm zu mir zu nehmen und mal kurz auch in mein eigenes Brot zu beißen. Zwischendurch müssen wir noch ein Buch für die Schulbücherei suchen und irgendwo passende Münzen für das Kakaogeld auftreiben. Für mein Gewissen schnibbele ich ein Stück Obst in die Brotdosen (ich weiß genau, dass ich es am Mittag wiedersehen werde), für die gute Laune der Kids kommt zum obligatorischen Butterbrot noch ein Keks oder ein paar Salzstangen. Kauend hundertundeine Fragen zu Gott und der Welt beantworten. Was ich nicht weiß, muss ich googeln - oder auf später vertrösten.
Schnell alles einpacken, Kinder zum Zähneputzen schicken. Nochmal zurückschicken, weil noch Marmelade an der Wange klebt. Die Zeit wird langsam knapp. Jetzt schnell die Schuhe anziehen. Wie, du hast noch keine Socken an?! Dann aber flott.... oh, doch schnell nochmal zur Toilette? Eigentlich haben wir dafür keine Zeit mehr... aber was muss, das muss. Jacke an, Tornister auf den Rücken, Helm auf... Helm? Wo ist der Helm? Nochmal raufrennen, der liegt noch vom gestrigen Gartenspieltag im Wohnzimmer. Also Helm auf, auf den Roller und los. Puuuuhhh.... nochmal winken, dann das nächste Kind... Schuhe an, über die richtige Jacke diskutieren... und dann dieses Trödeln. Alles in Zeitlupe - ich habe mich heute morgen gefragt, ob es schon einen Rekord gibt, wie langsam man eine Sandale anziehen kann. Ab ins Auto. Nicht zu schnell fahren. Mist, kein Parkplatz mehr. Und nein, auch wenn das Kind sich auf den Kopf stellt, ich parke nicht (wie leider viele andere Eltern) im Halteverbot direkt vor der Schule. Wir müssen also noch ein Stückchen laufen. Zwischen dem ersten und dem zweiten Klingeln trudeln wir ein. Manchmal gerade noch rechtzeitig, um mit den anderen hineinzugehen, manchmal auch erst, wenn alle schon drin sind. Meist sind wir aber nicht die allerletzten, oft kommt noch der ein oder andere Nachzügler hinterhergerannt (ich bin ja immer froh, wenn es uns nicht alleine so geht). 

Wenn ich nach so einem Morgen wieder nach Hause komme, bin ich schon erschöpft, als hätte ich zwei Stunden Sport gemacht. Ich hasse es. Ich mag das nicht. Irgendwie haut es aber anders nicht hin. Aber morgen, ja morgen bereite ich mich besser vor, da decke ich den Tisch schon abends, gehe selbst pünktlich ins Bett und wecke liebevoll meine Kinder...